Das Problem mit dem Respekt…

(Crosspost vom Sicher-am-Patienten Blog) Eine häufig geführten Klagen meiner Kollegen und Kolleginnen innerhalb der Blaulichtfamillie ist in etwa die folgende„Wir werden gar nicht mehr respektiert. Früher hat man uns, Polizisten und Feuerwehrleute noch mit Anstand und Respekt behandelt. Heutzutage sind alle nur noch dreist, aggressiv und unfreundlich.“ Was hat es mit diesem Vorwurf eigentlich auf sich? Ist er berechtigt und was soll das sein: Respekt?

Nicht mehr respektiert zu werden, so oder ähnlich lautet ein häufige Beschwerde, die meistens auch dann auftaucht wenn es um die Frage der gefühlten Zunahme von Aggressivität und Gewalt gegenüber dem RD-Personal geht. Mir persönlich zieht sich der Magen immer ein wenig zusammen, wenn Personen deren Profession die Rettung von kranken und verletzen Mitmenschen ist, Respekt einfordern. Nicht das ich es den Kollegen missgönne im Dienst mit Anstand behandelt zu werden. Nein es ist speziell die Forderung nach Respekt und die damit verbundene Perspektive auf unsere Arbeit, der ich so gar nicht zustimme.

Warum will ich respektiert werden?

Respekt ist eines jener Wörter, das von den meisten Anwendern eher unkritisch genutzt wird und meines Erachtens eigentlich keinen wirklichen Inhalt hat. Was genau soll das sein? Freundlichkeit? Höflichkeit? Wertschätzung? Alles Dinge die ich jedem und jeder aus der Branche wünsche, aber was soll Respekt sein? Was genau tut jemand, wenn er oder sie mich respektiert oder eben nicht?

Was „Wir bekommen keinen Respekt mehr!“ eigentlich bedeutet.

Meiner Ansicht nacht müsste der Satz ehrlicherweise, „Niemand achtet meine Autorität und das frustriert mich!“ lauten. Denn erstaunlicherweise höre ich die Respektsklage immer nur dann, wenn Patienten, Angehörige oder Beistehende sich nicht so verhalten haben wie es sich der RD-Mensch gewünscht hätte. Immer dann wenn gefühlte Autorität angezweifelt oder verletzt wurde, wenn Patienten fordernd, aggressiv, unkooperativ, unfreundlich oder abwertend gegenüber dem Rettungsdienst sind, taucht die Forderung nach Respekt auf. Was ich dann immer höre ist im Grunde „Ich muss mich mit komplizierten Situationen und anstrengenden Menschen rumschlagen und diese Idioten danken es mir nicht einmal.“ Das ist frustrierend und auf Dauer auch kräftezehrend, aber hat es etwas mit mangelndem Respekt zu tun? Ich denke eher nicht. Meiner Ansicht nach, beklagen die Kollegen_innen hier in Wirklichkeit das Gefühl als Menschen rücksichtslos, unfreundlich, teilweise auch aggressiv behandelt zu werden. Da es in unserem Sprachgebrauch, und besonders in der im RD vorherrschenden Kultur aber verpönt ist ist zu sagen, das mensch sich verletzt und entwertet fühlt, wird die Worthülse des Respektes hervorgekramt. Wer es nicht glaubt, kann ja beim nächsten mal wenn der Verlust desselbigen beklagt wird, nachfragen was denn ganz genau damit gemeint sei.

Wie bereits gesagt, ich wünsche jedem Kollegen und jeder Kollegin, dass er/sie so behandelt wird, wie mensch es benötigt um sich wertvoll und ausreichend gewürdigt zu fühlen. Aber nun haben wir einen Beruf in dem wir es häufig mit Situationen und Menschen zu tun haben, bei denen dieser Wunsch unerfüllt bleibt. Das hat viele Gründe, machmal sind die Menschen die uns gegenüber stehen nicht in der Lage sozial kompetent zu handeln, manchmal wollen sie es auch einfach nicht. Die Verpflichtung sich einer vermeintlichen Autoritätsperson zu unterwerfen, haben sie jedenfalls nicht.

Warum ich mich noch nicht einmal Respektlos behandelt gefühlt habe?

Weil ich keinen Respekt erwarte, so einfach ist das. Und ich das ganze Konzept für sowas von 1930 halte, das ich es im Umgang mit anderen Menschen auch einfach nicht anwende. Was ich mir wünsche ist Höflichkeit, denn die macht das Leben einfacher. Was ich anstrebe ist Kooperation zwischen mir und den Beteiligten meines Einsatzes und was ich in seltenen Fällen anwenden muss ist Autoritativität, also Zugewandheit bei gleichzeitiger direkter Kontrolle der Situation. Respekt dagegen erwarte ich keinen, denn was würde das bringen? Ausser das mein Selbstwertgefühl vom Verhalten einer vermutlich unkooperativen Person abhängt, nichts.

Wer Respekt verlangt, kriegt garantiert keinen

Noch nie hat mir ein Kollege oder eine Kollegin nach einem Einsatz gesagt „Oh, diese ältere Dame hat mich aber sehr respektiert.“ Der Satz „Oh, diese ältere Dame war aber sehr freundlich.“ fiel dagegen schon häufiger mal. Das ganze Respektsding ist eine hohle Nuss die dann benutzt wird, wenn einem eigentlich etwas ganz anderes fehlt. Es gibt auch keine Emotion die diesem Begriff gegenübersteht. Welches Gefühl löst es aus, wenn mensch sich „Unrespektiert“ fühlt? Und welches Bedürfnis ist gestillt, wenn mensch sich vom Gegenüber respektiert fühlt? Wäre es da nicht klüger, dafür zu sorgen, dass die Situationen mit unseren Patienten und anderen Beteiligten kooperativ und zielführend gestaltet werden und nicht den Verlust eines inhaltsleeren und überkommenen Konzeptes zu beklagen?

Über Alexander Stötefalke

...lebt und rettet in einer Kleinstadt in Niedersachsen, studiert Psychologie und denkt, dass sich Gespräche im Rettungsdienst zu oft um Autos und Funkgeräte und zu selten um Personen, Ideen und dem Umgang mit diesen beiden drehen.
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