Notfallpsychologie – Ein Kompendium für Einsatzkräfte (Lasoga & Gasch)

41AeroIWn1L._SX314_BO1,204,203,200_Eine Premiere, denn heute haben wir die erste Buchkritik auf diesem Blog. (Konfetti!!) Und wie es dazu kam, ist eine kleine Geschichte für sich. Ich hatte mir eigentlich ein komplett anderes Buch über PSNV bestellt und stattdessen das hier besprochenen Werk im Briefkasten gefunden. Da ich dieses kleine Büchlein dann aber doch ganz interessant und obendrein sehr angenehm in der Hand fand und ich obendrein die Idee eine Art Handbuch für Einsatzkräfte herauszugeben für wichtig halte, hab ich das Buch behalten und mich entschlossen eine Review darüber zu schreiben. 

Mittlerweile gibt es ja einiges an Büchern zu psychologischen Themen innerhalb des Rettungsdienstes. Überwiegend handelt es sich dabei um Werke zum Themenfeld der PSNV, sowie der Betreuung von Professionellen und Betroffenen nach belastenden Einsätzen. Ich hoffe aber das spätestens seit diesem Blog klar geworden ist, dass Notfallpsychologie ein weit größeres Feld ist als ausschliesslich PSNV und CISM. Um so angenehmer überrascht war ich, als ich entdeckt habe das „Notfallpsychologie – Ein Kompendium für Einsatzkräfte“ den Versuch unternimmt einen Überblick über das gesamte Feld der Notfallpsychologie zu bieten. Fangen wir also am besten mit einem Blick auf diese Auswahl an:

Die Themen und der Inhalt

Das Buch ist in mehrere große Themenblöcke gegliedert, die alle einen wichtigen Aspekt der Notfallpsychologie abdecken. Neben den verschiedenen Arten von Notfällen und ihren psychologischen Seiten, werden die Opfer, die Helfer und ihre Organisationen, jeweils mit eigenen Kapiteln ausführlich, eben aus psychologischer Sicht, dargestellt. Besonders das Kapitel über die Opfer von Notfällen hat es verdient etwas näher betrachtet zu werden. Die Autoren unterteilen dieses Kapitel in die drei Abschnitte Belastungen, Moderatorvariablen, sowie Reaktionen und Folgen. Und hier gebührt den Autoren großes Lob. Die einzelnen Abschnitte sind inhaltlich gut zu lesen, flüssig geschrieben, und schaffen es die sensible  Balance zwischen wissenschaftlichem Anspruch, Praxistauglichkeit und nicht zuletzt menschlichen Werten wie Mitgefühl und Anteilnahme zu bewahren. Selbst wenn ein Rettungsdienstmensch vorher noch nie etwas von Begriffen wie Trauerreaktion oder Moderatorvariablen gehört hat, nach diesem Kapitel versteht er oder sie diese Begriffe und kann sie gut mit Beispielen aus dem eigenen Dienst füllen.

Ein Kapitel, das ich beim lesen als sehr wichtig empfunden habe, war das über die an der Rettung beteiligten Kräfte und deren Zusammenarbeit. In diesem Block wird z.B. über das manchmal problematische Verhältnis zwischen RD-Personal und dem notärztlichen Personal berichtet, oder welche Schwierigkeiten zwischen RD und Notaufnahme auftreten können. Alles immer durch solides Quellenmaterial belegt und dabei trotzdem gut und flüssig geschrieben. Ich für mich kann sagen, dass sich meine Einstellung gegenüber Notärzten und Notärztinnen durch diese Lektüre deutlich zum besseren hin verändert hat. Ein kleiner Kritikpunkt an diesem Kapitel ist, dass es dem Leser/ der Leserin, die ja vermutlich vom Fach sein dürfte, viele Begriffe erklärt die bereits bekannt sind. Aber auch das kann nützlich sein, wenn ich erleben muss, dass es auch im Jahr 2015 ärztliches Personal gibt welches den Unterschied zwischen einem RS und einem RA nicht kennt.

Praktischer wird es in den Kapiteln, die sich mit akuter psychologischer Hilfe befassen. Hier bekommt mensch nicht nur Erklärungen, sondern auch jede Menge praktischer Hilfen und Anregungen wie mensch sich in psychologischen Notfallsituationen verhalten kann. Angefangen bei Fragen zur Kontaktaufnahme mit aufgebrachten Patienten, über den Umgang mit Zuschauern und Umstehenden, bis hin zu Hilfestellungen für das Überbringen einer Todesnachricht. Hier bekommen wir als diejenigen die mit den Betroffenen arbeiten, konkrete Hilfen wie wir uns in solchen Situationen verhalten können. Das Feld der psychologischen Hilfe während und nach belastenden Einsätzen wird ebenfalls praxisnah und gemäß des aktuellen Standes der Forschung besprochen.

Fazit

Kurzgesagt, eindeutig eine Kaufempfehlung. Für 16,90€ erhält mensch ein kompaktes, Buch voller Inhalte und nützlichem Wissen. Das Buch ist so geschrieben, dass die Inhalte leicht und schnell umsetzbar sind und wenn mensch dann noch möchte, auch vertieft in die einzelnen Themen einsteigen kann.

Für den Retter, die Retterin im Dienst auf jeden Fall eine lohnen Anschaffung und allemal günstiger, als das große Lehrbuch vom selben Autor, welches mit knapp 50€ zu Buche schlägt. Und wo sonst erfährt man wie mensch eine Stadiondurchsage nach einer Katastrophe formuliert?

Habt Ihr gute Literaturempfehlungen zu psychologischen Themen des Rettungsdienstes? Wenn ja dann schreibt diese gerne in die Kommentare, damit die Kollegen und Kolleginnen auch was davon haben 🙂

Über Alexander Stötefalke

...lebt und rettet in einer Kleinstadt in Niedersachsen, studiert Psychologie und denkt, dass sich Gespräche im Rettungsdienst zu oft um Autos und Funkgeräte und zu selten um Personen, Ideen und dem Umgang mit diesen beiden drehen.
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